
Talleres de las Aguas. Auf dem gleichen Gründstück wie das Colegio de las Aguas hat die Fundacion Escuela para la Vida 2009 berufliche Weiterbildung für Jugendliche mit und ohne schulische Vorkenntnisse begonnen. Im Sommer 2011 werden bereits 5 Lehrwerkstätten angeboten:
- Lehrwerkstatt Bauen mit Guadua (vergleichbar einem deutschen Zimmermann. Guadua ist die südamerikanische Form des Bambus)
- Lehrwerkstatt Schreinerei
- Lehrwerkstatt Gastronomie
- Lehrwerkstatt Dachziegel
- Lehrwerkstatt Einzelhandel (Verkauf der von den Lehrwerkstätten im Rahmen des Lehrbetriebes hergestellten Produkte und Dienstleistungen)
Jeweils 12 Lehrlinge zwischen 13-17 Jahren werden in 24 Monaten vor allem praktisch aber auch theoretisch in Rechnen, Lesen, Schreiben und Geschäftsführung ausgebildet. Die Ausbildung beginnt jeweils im Januar des Jahres; und beginnt jedes Jahr neu, so dass parallel 2 Jahrgänge ausgebildet werden. Die Endprüfungen finden vor den Weihnachtsfeiertagen mit einer feierlichen Abschlußveranstaltung statt. Damit steigt das handwerkliche Niveau in Montebello und bislang mittellose Familien können mit integrer Arbeit Einkommen erwirtschaften. Jeweils 6-7 der 12 Lehrlinge je Ausbildungsfach sollen sich für Anstellung in Betrieben oder als selbständige Mikrounternehmer qualifizieren. Die Ausbildung ist eine Vollzeitausbildung über acht Stunden täglich, wovon jeweils zwei Stunden täglich für theoretische Schulung angesetzt ist. Die praktische Ausbildung der Lehrlinge erfolgt durch die Fachausbilder durch “learning by doing”. Auch soziale Werte, Kindererziehung, Ernährung, Verhütung und Hygiene werden vermittelt und geübt. Die theoretische Ausbildung findet in einem Klassenraum der Schulwerkstatt statt. Analphabeten erhalten täglich je eine Stunde Schreib-, Lese- und Mathematikunterricht. Die Lehrlinge erhalten eine Unterstützung in Form von kostenfreiem Frühstück und Mittagessen aus der schuleigenen Küche. Die Gesamtheit der Maßnahmen baut eine multiple Wirtschaftsstruktur in der Gemeinde Montebello auf, die das investierte Geld in mehreren Prozessen und für mehrere Nutznießer am Ort hält. Geschäftsführung in Zusammenarbeit mit einer kolumbianischen Institution weitergebildet werden.
Mittellose Flüchtlinge. Die meisten Einwohner Montebellos sind mittellose Flüchtlingsfamilien. Einige leben von Tagelohnarbeiten: Oberhalb des Tales liegt eine Kohlemine. Dort werden die Loren von Hand geschoben und die Holzbalken für die Stollen auf Schultern getragen. Unten im Tal ist ein Steinbruch. Im Ort selbst haben einige Kioske zur täglichen Versorgung geöffnet, aber auch erste Läden für Kleider, Drogerieartikel, Schreibwaren, Haushaltswaren und sogar ein Internetshop haben sich im vergangen Jahr etablieren können. Einige Familien leben von Prostitution und Kleinkriminalität; insbesondere Jugendliche und Heranwachsende arbeiten auf diese Weise für ihre Familien. Schätzungsweise mehr als 70% der erwerbsfähigen Bewohner Montebellos haben keine regelmäßige Arbeit. Nach eigenen Angaben ernährt ein Verdiener etwa 5 Menschen, sodass etwa 20.000 Menschen mittelbar betroffen sind. Davon sind 4.000 Kinder zwischen 0-12 Jahren und 3.000 Jugendliche zwischen 12-18 Jahren. Das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt grob geschätzt weniger als 960 Euro. Der Zugang zu Einkommen und Weiterbildung ist für die “nichtoffiziellen“ Flüchtlinge fast unmöglich. Sie können aus eigener Kraft ihre Lebensumstände nicht verbessern. Die Fundación Carbajal hat 2008 eine Erhebung veröffentlicht, nach der über 1.400 Jugendliche in Montebello zwischen 15-25 Jahren ohne jegliche Tätigkeit leben. Weder Fortbildung noch Arbeitsangebote holen diese Jugendliche von der Straße.
Der Ort. Montebello ist Verwaltungsgebiet der 3-Millionen-Großstadt Cali und liegt in einem etwa auf 1.400 m über NN gelegenen Tal. Die Ortschaft Montebello ist sogenannte „tierra invasión“. Das bedeutet, dass sich hier Menschen auf Grundstücken ansiedeln, ohne selbst Eigentümer zu sein. Diese Form der Besiedlung wird mehr oder weniger von den Eigentümern geduldet. Der Prozess dieser Zuwanderung und Siedlungsentwicklung hat vor über vierzig Jahren zusammen mit den bürgerkriegsartigen Unruhen im Land begonnen und ein Ende ist nicht absehbar. Der Prozess der Legalisierung des Landbesetzens ist im Laufen. Mittlerweile leben über 11.400 Menschen offiziell in dem Ort. Nach Angaben des Projektträgers beträgt die Einwohnerzahl etwa insgesamt 28.000 Menschen. Da die Zu- und Abwanderung ständig erfolgt und nicht offiziell registriert wird, ist die tatsächliche Anwohnerzahl schwer ermittelbar. Montebello ist ein geeignetes Auffangbecken für Flüchtlinge, weil es dort friedlich ist und die Landschaft gute Siedlungsvoraussetzungen bietet. Die Region ist klimatisch ausgeglichen und sehr fruchtbar. Das Stadtzentrum von Cali ist etwa 20 Autominuten entfernt.
Wohnsituation. Die Behausungen sind einfach und meist mit Elektrizität versorgt. Zurzeit gibt es dreimal wöchentlich für zwei Stunden fließendes Wasser über ein gemeindeeigenes Rohrsystem, welches von den meisten Haushalten in Tanks gesammelt wird. Seit kurzem gibt es für etwa 60% der Einwohner ein Abwassersystem. Leider wird das Abwasser ungereinigt an verschiedenen Stellen in den Rio Chocho eingelassen – auch in der Nähe der Ortschaften. Vor etwa vier Jahren wurde eine Gesundheitsstation eingerichtet. Ein kleines Polizeirevier befindet sich an der Hauptstraße.
Junge und allein erziehende Mütter. Junge Mütter zwischen 12 und 16 Jahren gehören zum Straßenbild. Es gibt für sie fast keine Möglichkeiten Geld zu verdienen, oft bleibt nur die Prostitution. Meistens sind sie allein erziehend. Viele Väter übernehmen keine Verantwortung für Ihre Kinder und Frauen. Die Last der Ernährung und Erziehung liegt meist bei den Müttern allein. Für die jungen Mütter gibt es gar keine Schuleinrichtungen. Der Projektpartner der Schule fürs Leben, die Fundación Escuela para la Vida, hat in den Räumen des Colegio de las Aguas einen Treff für junge Mütter provisorisch eingerichtet. Hier wollen Pädagogen und Soziologen die jungen Mütter zukünftig zu den Themen Alphabetisierung, Bewusstheitsbildung, Hygiene und Kindesbetreuung sensibilisieren und schulen.
Schulen oder andere Bildungsangebote. Die Kinder der mittellosen Familien können nicht zur Schule gehen. Weder zur staatlichen Schule, weil es keine staatlichen Schulen für diese “inoffiziellen” Kinder gibt, noch zu einer privaten Schule, weil sie das Schulgeld sowie die Schulkleidung und –mittel nicht bezahlen können. Diese Kinder trifft man täglich auf den Straßen. Einige helfen den Eltern beim Gelderwerb; sie machen Botengänge oder verkaufen am Straßenrand Brot, Früchte und anderes. Für die Kinder der mittellosen Familien wurde von der Fundación Escuela para la Vida mit Hilfe der Schule fürs Leben und deutschen Fördermitteln und Spenden bereits 2004 die Schule Colegio de la Aguas gegründet. Die Akzeptanz der Schule durch die Gemeinde ist sehr hoch. Etwa 250 mittellose Kinder und Jugendliche besuchen 2011 diese Schule.
Fundación Escuela para la Vida. Der entscheidende Projektpartner der Schule fürs Leben in Kolumbien ist die als gemeinnützig anerkannte Nichtregierungsorganisation Fundación Escuela para la Vida. Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht hat, Schulprojekte zu entwickeln und wenn möglich in Zusammenarbeit mit den Schulämtern zu betreuen. Die Fundación Escuela para la Vida ist der allein verantwortliche und rechtlich eigenständige Initiator und Träger der Bildungsprojekte in Cali. Die Leistungsfähigkeit, das Engagement und die Vertrauenswürdigkeit der Fundación Escuela para la Vida sind damit maßgeblich über die Erfolge und Wirkungen aller unterstützenden Maßnahmen der Schule fürs Leben! Mehr Informationen zu diesem wichtigen Partner der Schule fürs Leben in Kolumbien finden Sie hier.
Herausforderungen. Auf Grund der vorhandenen Fluktuation innerhalb der Flüchtlingsgemeinde ist es nicht möglich, alle Lehrlinge zwei Jahre lang zu begleiten. Immer wieder verschwinden einzelne Lehrlinge ohne sich abzumelden oder zu erklären. Viele Lehrlinge kommen aus unruhigen familiären Verhältnissen oder Straßengangs. Der geregelte Tagesablauf und die Anforderungen an ein soziales und effektives Miteinander sind für diese jungen Menschen schwer auszuhalten und umzusetzen. Es sind sehr persönliche Gründe, die es für einige Jugendliche fast unmöglich machen die Ausbildung durchzuhalten. Eine weitere Herausforderung ist die Tatsache, dass die Jugendlichen während der Ausbildung kein Geld verdienen. Sie müssen abends nach dem Unterricht oder am Wochenende arbeiten gehen, um Unterkunft und Verpflegung bezahlen zu können. Viele fallen hier in alte Verhaltensmuster, die mit der neuen Lebensweise in den Talleres nicht konform geht. Die Fundación hat deshalb begonnen, Patenschaften für die Lehrlinge zu suchen und/oder den bedürftigen Lehrlingen abends oder am Wochenende bezahlte Arbeiten wie zum Beispiel die Reparatur an Schulmobiliar oder ähnlich bereitzustellen. Eine Bezahlung der Lehrlinge über Essens- und Transportgeld hinaus ist in Kolumbien nicht zulässig. Von den 16 Jugendlichen der ersten Lehrwerkstatt Bauen mit Guadua haben deshalb nur fünf Lehrlinge am 21. Dezember 2010 die Ausbildung erfolgreich beendet. Allerdings wurden zwei der Lehrlinge von externen Bambus-Fachfirmen vor Abschluß der Ausbildung abgeworben – einerseits ein Erfolg, weil es die Qualität der Ausbildung und den Bedarf an guten Fachkräften zeigt, – andererseits eine unglückliche Situation, weil damit das gesteckte Ziel von 6 erfolgreichen Absolventen nicht erreicht wurde und die Lehrlinge ohne Abschluß bleiben und schlechter bezahlt werden. In Kolumbien sind solche Lehrwerkstätten nicht üblich; der Projektträger muss hier insbesondere in der Anfangsphase massive Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit leisten.
Erfolge. Die Lehrwerkstätten „Talleres de las Aguas“ konnte dank deutscher Fördermittel und Spenden im Januar 2009 begonnen werden.
- Der erste Ausbildungsbetrieb Bauen mit Guadua startete mit 16 Lehrlingen. Das erste Werkstattgebäude wurde im Rahmen der Ausbildung mit Hilfe der Lehrlinge und einer externen Fachfirma errichtet. Fünf erfolgreiche Absolventen haben sofort nach Abschluß der Ausbildung feste Arbeitsverhältnisse in ihrem neuen Beruf gefunden. 15 der 16 Jugendlichen, die die Lehre begonnen, halten Kontakt zu den Lehrwerkstätten und haben nach eigenen Angaben sehr von der Lehrzeit profitiert. Am Tag der feierlichen Abschlußprüfung waren neben den 5 Absolventen 7 der vorzeitigen Abgänger anwesend. Drei dieser 7 vorzeitigen Abgänger arbeiten als Bambusbauer; 2 haben eine andere Ausbildung begonnen, 1 ist festangestellt als Verkäufer; nur 1 ehemaliger Lehrling war arbeits- und orientierungslos. Die zweite Generation Lehrlinge der Lehrwerkstatt Bauen mit Guadua hat nach 16 Monaten immer noch 11 Lehrlinge. Die Fluktuation ist also besser geworden. Die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Erfolge der Vorgänger wirken sehr stark als Vorbild. Die Ausbildungswerkstatt Bauen mit Guadua trägt sich bereits in der zweiten Generation vollkommen selbst. Das Auftragsbuch dieser Lehrwerkstatt für externe Dienstleistungen ist für das kommende Jahr bereits voll: So wird zum Beispiel der Bambus-Kindergarten der deutschen Schule Cali renoviert; ein Bambus-Gartenhaus für ein Unternehmen erstellt; Installationen für einen öffentlichen Waldlehrpfad gebaut und ein Musterhaus für eine Sozialbausiedlung entwickelt. Im Laufe des kommenden Jahres kann die Lehrwerkstatt damit Einnahmen für den Schulbetrieb der anderen neu gestarteten Lehrwerkstätten mit erwirtschaften. Von großer Wirkung ist die erfolgreiche Integration von vier Straßenjugendlichen und die damit verbundene Änderung ihres Lebenswandels und ihrer Lebensziele. Zwei Lehrlinge wurden von zwei verschiedenen Indianergemeinden zur Ausbildung in die Lehrwerkstatt geschickt, damit diese zukünftig Multiplikatoren innerhalb ihrer Völker werden können. Projekte – Schule Misak und Projekte – Schule Nasa.
- Die zweite Lehrwerkstatt „Herstellen von Dachziegeln” startete 2010 mit fünf Jugendlichen.
- Die dritte Lehrwerkstatt „Schreinerei“ starte 2010 mit 11 Jugendlichen.
- Die vierte Lehrwerkstatt „Küche“ startete 2010 mit 10 Jugendlichen, zwei davon junge Mütter, für deren Kinder Betreuung während der Unterrichtseinheiten organisiert wurde.
- Die fünfte Lehrwerkstatt „Verkauf“ startete 2011 in den Räumen der Fundacion Escuela para la Vida mit 12 Lehrlinge, die im Einzelhandel ausgebildet werden. Dieses „Verkaufsbüro“ verkauft zu Schulungszwecken alle Produkte, die von den anderen Lehrwerkstätten im Rahmen der Ausbildung hergestellt werden.
- Für die jeweils zweite Generation von Lehrlingen konnten die Lehrwerkstätten zum Teil bereits ohne finanzielle Hilfe von außen starten. Die Einrichtung der Lehrwerkstätten hat sich in der Gemeinde Montebello aber auch über deren Grenzen hinweg gut etabliert: Jugendliche, die zurzeit in den Werkstätten ausgebildet werden, bringen immer mehr Interessierte zu den Werkstätten. Besonders Mädchen interessieren sich für die Ausbildungsplätze. Die Nachfrage, der Erfolg und besonders die Integration der Jugendlichen in die Schul- und Arbeitswelt ermutigt zur Erweiterung des Angebotes.
- Die Schulgebäude aus Guadua sind nicht nur ökologisch und ästhetisch beispielhaft, sondern mit einem Preis von 136 € je Kubikmeter sehr preiswert. (Vergleichswert für einen öffentlichen Schulbau im Zentrum von Cali aus Beton und Stahl: 214 Euro je Kubikmeter).
- Nahezu 80% aller laufenden Kosten kann die Fundacion Escuela para la Vida bereits nach nur 6 Jahren selbst mit Geldern aus Kolumbien bezahlen. Nur noch 20% der Betriebskosten werden mit Spenden aus Deutschland finanziert. Der Weg in die vollkommene finanzielle Unabhängigkeit ist damit gut geebnet. Mit Ende des Jahres 2011 soll dieser letzte Schritt vollzogen sein. Der neu gegründete Förderverein der Schule fürs Leben Montebellos Kinder e.V. wird die Talleres de las Aguas dann ebenso wie das Colegio de las Aguas unterstützend begleiten und bei der Stabilisierung helfen.
Zwei letzte Lehrwerkstätten: Näherei und Hauswirtschaft: Im Herbst 2011 sollen die beiden letzten Lehrwerkstätten begonnen werden:
- Lehrwerkstatt Hauswirtschaft
- Lehrwerkstatt Näherei
Besonders alleinerziehende Mütter interessieren sich für diese Ausbildung, die ihnen ermöglicht zukünftig von zuhause Einkommen zu erwirtschaften. Als die Schuluniformen für das Colegio und die Talleres de las Aguas eingeführt wurden, war beabsichtigt diese in Montebello nähen zu lassen. Es hat sich jedoch im Ort keine Gruppe gefunden, die eine große Stückzahl bewältigen oder eine einheitliche Qualität zu sichern konnte. Der Textilbetrieb „SI“ in Cali (Verkauf von in- und ausländischen Stoffen in einer Ladenkette) betreibt mehrere Schneidereien und möchte mit den Talleres de las Aguas kooperieren und 5-10 gut ausgebildete Näherinnen aufnehmen. In den reichen Wohnvierteln in Cali ist die Nachfrage nach Hauswirtschafterinnen/Haushälterinnen groß. Auch in Betrieben ist es üblich eine Hauswirtschafterin vorzuhalten, die sich um die Bewirtung, die Sauberkeit und den Gäste- oder Kundenempfang kümmert.
Der vorletzte Bauabschnitt: Ein neues Werkstattgebäude. Das letzte Werkstattgebäude wird wie die anderen beiden Werkstattgebäude auch in Bambus von der Lehrwerkstatt Bauen mit Guadua im Rahmen ihrer Ausbildung gebaut und von der Lehrwerkstatt Schreinerei mit Türen und Möbel ausgestattet. Bereits im Sommer 2010 wurden und auch jetzt im Sommer 2011 werden die Lehrlinge dabei von einem hoch engagierten deutschen Studenten-Team der Hochschule Ostwestfalen-Lippe finanziell und mit Arbeitskraft unterstützt. Das internationale Team baut in wenigen Wochen trotz Organisationsschwierigkeiten Werkstattgebäude mit einer Grundfläche von 270 qm und mit einer Konstruktionshöhe von 3,2 m. Um wie in den anderen Lehrbetrieben auch praktischen Realitätsbezug zu haben, sollen für die Lehrwerkstatt Hauswirtschaft 5 einfache Gästezimmer errichtet und eingerichtet werden, deren Pflege, Reinigung, und Gästebetreuung Lehraufgabe für die Lehrlinge sein wird. Die Einrichtung der Gästezimmer wird mit Hilfe von kolumbianischen Partnern aus dem Netzwerk finanziert. Die Gästezimmer werden von zahlenden Gästen aus Deutschland und den Kooperationspartnern der Fundación in Cali genutzt. Die Erlöse aus der Bewirtschaftung dieser Gästezimmer stehen ebenso wie die Erlöse aus der Nähwerkstatt zur Selbstversorgung der Lehrwerkstätten zur Verfügung.
Letzter Bauabschnitt: Eine multifunktionale Halle. Die Hanglage des Grundstückes eignet sich für eine terrassierte Sitzanlage, die von einem freitragenden Dach überkragt wird. Es entsteht eine multifunktonale überdachte dreiseitig offene Halle über einer Grundfläche von etwa 500 qm für 400 Personen. Die erforderlichen Nebenräume wie Toilettenanlage, Umkleide, erste Hilferaum sowie Stuhl- und Sportgeräteraum stecken sich in einem einfachen Betonkörper im Hang. Das Gebäude wird mit einer 32m langen Straße eigenständig erschlossen und mit Strom, Wasser und Abwasser und einem Regenwassertank technisch ausgestattet. Ein überdachter Fußweg wird diese Halle mit den anderen Gebäuden verbinden, damit auch bei Regen die Schüler und Lehrlinge trocken und mit sauberen Schuhen die Gebäude wechseln können. Diese Halle dient hauptsächlich der Angebotserweiterung der Schule Colegio de las Aguas und den Lehrwerkstätten Talleres de las Aguas für den Sportunterricht sowie Musik- und Schulversammlungen. Die Halle soll auch von der Gemeinde Montebello genutzt werden können. Sie ist fußläufig aus allen Richtungen sehr gut erreichbar. Die Hauptstraße von Montebello, auf der öffentliche Verkehrsmittel wie Busse und Jeeps regelmäßig von 6.00-22.00 Uhr verkehren, liegt nur etwa 250 m entfernt. So können auch Gäste aus Cali oder anderen umliegenden ländlichen Gemeinden Veranstaltungen in der Mehrzweckhalle besuchen und abhalten. Für die 28.000 Menschen in Montebello gibt es keine Versammlungsstätte, abgesehen von zwei Kirchen. Das Gemeindeleben erfolgt vorwiegend auf der Straße oder in kleinen Gruppen in privaten Häusern. Die Integration der Flüchtlingsfamilien ist ebenso wie die Information der Gemeinde oder die Bildung einer gemeinschaftlichen Meinung oder Entscheidung schwierig, langwierig und zeitaufwändig. Insbesondere die Leaderes der Gemeinde aber auch die Eltern der Schulkinder und Lehrlinge haben den Bedarf nach einer solchen Versammlungsstätte formuliert. Monatlich wollen verschiedenen Gruppen und Organisationen kulturelle Veranstaltungen wie Erwachsenenbildung, Feste, Parteitreffen, Sportveranstaltungen usw. organisieren. Engagierte Eltern und die katholische Gemeinde beabsichtigen nach Schulschluss Jugendmannschaften zu trainieren. (Basketball, Fußball, Kindersport) Zwei der Lehrer möchten in den Abendstunden Elternsport anbieten. Die gewerbliche Vermietung der Halle soll helfen, die laufenden Unterhaltungskosten zu sichern. Bei der Umsetzung dieser Baumaßnahme sollen viele Arbeiten von Gemeindemitgliedern aus Montebello ausgeführt werden, um so von Anfang an eine gute Zusammenarbeit und Wertschätzung zwischen den Projektträger und Projektbeteiligten zu initiieren und zu pflegen. Die Fundacion Escuela para la Vida übernimmt dieses Bauwerk, bewirtschaftet es und kommt für die Folgekosten und den Unterhalt auf.
Eigenleistung. in Form der „Minga“ ist Tradition bei den Ureinwohnern von Südamerika. Die Gemeindemitglieder werden kostenlose Arbeitseinsätze zur Verwirklichung der multifunktionalen Halle einbringen. 25 Freiwilligen werden an sechs Wochenendtagen helfen.
Nachhaltigkeit des Schulbetriebes. Das 26.500 qm große Schulgelände ist Eigentum der Fundación Escuela para la Vida. Seit mehreren Jahren betreibt die Fundación erfolgreich die Schule Colegio de las Aguas (220 Kinder) und Lehrwerkstätten Talleres de las Aguas (52 Lehrlinge). Sie wartet die vorhandenen Gebäude
- 2 Schulgebäude mit je 4 Klassenzimmer.
- 1 Schulküche mit Schulmensa und 1 Klassenzimmer
- 1 Verwaltungsgebäude, vom Vorbesitzer übernommen
- 1 Schulgebäude mit 3 Klassenzimmern
und kümmert sich um das Grundstück mit Quelle, Abwasserentsorgung, Straße und überdachtem Fußweg. Das Unterstützer-Netzwerk, die Lehrlinge der Tailleres aber auch engagierte Gemeindemitglieder bringen ihre fachkundige Arbeitskraft zur Erhaltung der Gebäude und der Gartenanlage ein.
Ausblick. Mindestens 2 von 12 Lehrlingen je Lehrwerkstatt sollen nach Abschluss der Lehre eigene Betriebe gründen und dabei in der Startphase von Mentoren gezielt begleitet und beraten werden. Das hierfür notwendige Kapital wird von der Bank Procredit in Cali den Absolventen zur Verfügung gestellt. Diese Bank bietet Mikro-Kredite und Kredite für Mikro–Unternehmen an. Die Fundacion Escuela para la Vida sowie die Schule fürs Leben bereiten dafür zurzeit Kooperationen vor; so war zum Beispiel im August 2011 ein Mitarbeiter der Grameen-Bank vor Ort. Erfahrende Unternehmer oder leitende Angestellte werden derzeit motiviert, ausgewählte einzelne Absolventen persönlich für die Startphase des Mikrounternehmens zu begleiten, um bei konkreten Fragen, Problemen, Frustrationen oder Rückschlägen zu helfen. Diese menschliche und fachliche Unterstützung ist entscheidend für die Nachhaltigkeit des Projektes. Absolventen, die sich nicht selbständig machen wollen, werden über das bestehende Netzwerk in Arbeitsstellen vermittelt. Die Nachfrage nach gut ausgebildetem Personal in handwerklichem Bereich ist groß in Cali und Umgebung. Es ist beabsichtigt die Absolventen der Lehrwerkstätten in einem Alumni-Netzwerk zu organisieren und ihren Lebensweg als Beispiel für die neuen Lehrlinge zu dokumentieren und in persönlichen Kontakten zu pflegen.