Talleres de las Aguas. Auf dem gleichen Gründstück in Zusammenwirken mit dem Colegio de las Aguas bietet Escuela para la Vida seit 2009 auch berufliche Weiterbildung für Jugendliche mit und ohne schulische Vorkenntnisse an. Dieser Schritt war eine notwendige Weiterentwicklung der Grund- und weiterführenden Schule, da die Schüler nach dieser Grundbildung wieder auf der Straße standen und nicht weiter wußten.

Mehrere Berufsausbildungen werden bereits angeboten oder sind noch im Aufbau bzw. in der Planung:

  • Lehrwerkstatt Bauen mit Guadua (vergleichbar einem deutschen Zimmermann. Guadua ist die südamerikanische Form des Bambus). 15 zweijährige Ausbildungsplätze.
  • Lehrwerkstatt Schreinerei. 15 zweijährige Ausbildungsplätze.
  • Lehrwerkstatt Gastronomie. 15 zweijährige Ausbildungsplätze.
  • Lehrwerkstatt Einzelhandel (Verkauf der von den Lehrwerkstätten im Rahmen des Lehrbetriebes hergestellten Produkte und Dienstleistungen). 15 zweijährige Ausbildungsplätze.
  • Lehrwerkstatt Räder aus Bambu. 15 zweijährige Ausbildungsplätze.
  • Lehrwerkstatt Nähen. 15 zweijährige Ausbildungsplätze. Im Aufbau.
  • Lehrwerkstatt Hotel & Tourismus. 15 zweijährige Ausbildungsplätze. Im Aufbau.
  • Lehrwerkstatt Nutzgarten. Im Planung.

Lehrlinge zwischen 15-20 Jahren werden in 24 Monaten vor allem praktisch aber auch theoretisch in Rechnen, Lesen, Schreiben und Geschäftsführung ausgebildet. Die Endprüfungen finden vor den Weihnachtsfeiertagen mit einer feierlichen Abschlußveranstaltung statt. Damit steigt das handwerkliche Niveau in Montebello und bislang mittellose Familien können mit integrer Arbeit Einkommen erwirtschaften. Einige der Lehrlinge aus jedem Ausbildungsfach finden nach der Ausbildung Anstellungen in Betrieben oder haben sich als selbständige Mikrounternehmer etabliert. Die praktische Ausbildung der Lehrlinge erfolgt durch die Fachausbilder durch „learning by doing“. Auch soziale Werte, Kindererziehung, Ernährung, Verhütung und Hygiene werden vermittelt und geübt. Die theoretische Ausbildung findet in einem Klassenraum der Schulwerkstatt statt. Analphabeten erhalten täglich je eine Stunde Schreib-, Lese- und Mathematikunterricht. Die Lehrlinge erhalten eine Unterstützung in Form von kostenfreiem Frühstück und Mittagessen aus der schuleigenen Küche.

Die Gesamtheit der Maßnahmen baut eine multiple Wirtschaftsstruktur in der Gemeinde Montebello auf, die das investierte Geld in mehreren Prozessen und für mehrere Menschen am Ort hält.

Zielgruppe Montebello. Die meisten Einwohner Montebellos sind mittellose Flüchtlingsfamilien. Einige leben von Tagelohnarbeiten: Oberhalb des Tales liegt eine Kohlemine. Dort werden die Loren von Hand geschoben und die Holzbalken für die Stollen auf Schultern getragen. Unten im Tal ist ein Steinbruch. Im Ort selbst haben einige Kioske zur täglichen Versorgung geöffnet, aber auch erste Läden für Kleider, Drogerieartikel, Schreibwaren, Haushaltswaren und sogar ein Internetshop haben sich inzwischen etablieren können. Einige Familien leben von Prostitution und Kleinkriminalität; insbesondere Jugendliche und Heranwachsende arbeiten auf diese Weise für ihre Familien. Schätzungsweise mehr als 70% der erwerbsfähigen Bewohner Montebellos haben keine regelmäßige Arbeit. Nach eigenen Angaben ernährt ein Verdiener etwa 5 Menschen, sodass etwa 20.000 Menschen mittelbar betroffen sind. Davon sind 4.000 Kinder zwischen 0-12 Jahren und 3.000 Jugendliche zwischen 12-18 Jahren. Das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt grob geschätzt weniger als 960 Euro. Der Zugang zu Einkommen und Weiterbildung ist für die “nichtoffiziellen“ Flüchtlinge fast unmöglich. Sie können aus eigener Kraft ihre Lebensumstände nicht verbessern. Die Fundación Carbajal hat 2008 eine Erhebung veröffentlicht, nach der über 1.400 Jugendliche in Montebello zwischen 15-25 Jahren ohne jegliche Tätigkeit leben. Weder Fortbildung noch Arbeitsangebote holen diese Jugendliche von der Straße.

Der Ort. Montebello ist Verwaltungsgebiet der 3-Millionen-Großstadt Cali und liegt in einem etwa auf 1.400 m über NN gelegenen Tal. Die Ortschaft Montebello ist sogenannte „tierra invasión“. Das bedeutet, dass sich hier Menschen auf Grundstücken ansiedeln, ohne selbst Eigentümer zu sein. Diese Form der Besiedlung wird mehr oder weniger von den Eigentümern geduldet. Der Prozess dieser Zuwanderung und Siedlungsentwicklung hat vor über vierzig Jahren zusammen mit den bürgerkriegsartigen Unruhen im Land begonnen und ein Ende ist nicht absehbar. Der Prozess der Legalisierung des Landbesetzens ist im Laufen. Mittlerweile leben über 11.400 Menschen offiziell in dem Ort. Nach Angaben des Projektträgers beträgt die Einwohnerzahl etwa insgesamt 28.000 Menschen. Da die Zu- und Abwanderung ständig erfolgt und nicht offiziell registriert wird, ist die tatsächliche Anwohnerzahl schwer ermittelbar. Montebello ist ein geeignetes Auffangbecken für Flüchtlinge, weil es dort friedlich ist und die Landschaft gute Siedlungsvoraussetzungen bietet. Die Region ist klimatisch ausgeglichen und sehr fruchtbar. Das Stadtzentrum von Cali ist etwa 20 Autominuten entfernt.

Wohnsituation. Die Behausungen sind einfach und meist mit Elektrizität versorgt. Fließendes Wasser ist nicht selbstverständlich und wird über ein gemeindeeigenes Rohrsystem, welches von den meisten Haushalten in Tanks gesammelt wird bezogen. Seit kurzem gibt es für etwa 60% der Einwohner ein Abwassersystem. Leider wird das Abwasser ungereinigt an verschiedenen Stellen in den Rio Chocho eingelassen – auch in der Nähe der Ortschaften. Vor etwa vier Jahren wurde eine Gesundheitsstation eingerichtet. Ein kleines Polizeirevier befindet sich an der Hauptstraße.

Junge und allein erziehende Mütter. Junge Mütter zwischen 12 und 16 Jahren gehören zum Straßenbild. Es gibt für sie fast keine Möglichkeiten Geld zu verdienen, oft bleibt nur die Prostitution. Meistens sind sie allein erziehend. Viele Väter übernehmen keine Verantwortung für Ihre Kinder und Frauen. Die Last der Ernährung und Erziehung liegt meist bei den Müttern allein. Für die jungen Mütter gibt es gar keine Schuleinrichtungen. Der Projektpartner der Schule fürs Leben, die Escuela para la Vida, hat in den Räumen des Colegio de las Aguas einen Treff für junge Mütter provisorisch eingerichtet. Hier wollen Pädagogen und Soziologen die jungen Mütter zukünftig zu den Themen Alphabetisierung, Bewusstheitsbildung, Hygiene und Kindesbetreuung sensibilisieren und schulen.

Schulen oder andere Bildungsangebote. Die Kinder der mittellosen Familien können nicht zur Schule gehen. Weder zur staatlichen Schule, weil es keine staatlichen Schulen für diese „inoffiziellen“ Kinder gibt, noch zu einer privaten Schule, weil sie das Schulgeld sowie die Schulkleidung und –mittel nicht bezahlen können. Diese Kinder trifft man täglich auf den Straßen. Einige helfen den Eltern beim Gelderwerb; sie machen Botengänge oder verkaufen am Straßenrand Brot, Früchte und anderes. Für die Kinder der mittellosen Familien wurde von der Escuela para la Vida mit Hilfe der Schule fürs Leben und deutschen Fördermitteln und Spenden bereits 2004 die Schule Colegio de la Aguas gegründet. Die Akzeptanz der Schule durch die Gemeinde ist sehr hoch. Bis zu 250 mittellose Kinder und Jugendliche besuchen diese Schule.

Escuela para la Vida. Der entscheidende Projektpartner der Schule fürs Leben in Kolumbien ist die als gemeinnützig anerkannte Nichtregierungsorganisation Escuela para la Vida. Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht hat, Schulprojekte zu entwickeln und wenn möglich in Zusammenarbeit mit den Schulämtern zu betreuen. Die Escuela para la Vida ist der allein verantwortliche und rechtlich eigenständige Initiator und Träger der Bildungsprojekte in Cali. Die Leistungsfähigkeit, das Engagement und die Vertrauenswürdigkeit der Escuela para la Vida sind damit maßgeblich für die Erfolge und Wirkungen aller unterstützenden Maßnahmen der Schule fürs Leben!

Herausforderungen. Auf Grund der vorhandenen Fluktuation innerhalb der Flüchtlingsgemeinde ist es nicht möglich, alle Lehrlinge zwei Jahre lang zu begleiten. Immer wieder verschwinden einzelne Lehrlinge ohne sich abzumelden oder zu erklären. Viele Lehrlinge kommen aus unruhigen familiären Verhältnissen oder Straßengangs. Der geregelte Tagesablauf und die Anforderungen an ein soziales und effektives Miteinander sind für diese jungen Menschen schwer auszuhalten und umzusetzen. Es sind sehr persönliche Gründe, die es für einige Jugendliche fast unmöglich machen die Ausbildung durchzuhalten. Eine weitere Herausforderung ist die Tatsache, dass die Jugendlichen während der Ausbildung kein Geld verdienen. Sie müssen abends nach dem Unterricht oder am Wochenende arbeiten gehen, um Unterkunft und Verpflegung bezahlen zu können. Viele fallen hier in alte Verhaltensmuster, die mit der neuen Lebensweise in den Lehrwerkstätten nicht konform gehen. Escuela para la Vida hat deshalb begonnen, Patenschaften für die Lehrlinge zu suchen und/oder den bedürftigen Lehrlingen abends oder am Wochenende bezahlte Arbeiten wie zum Beispiel die Reparatur an Schulmobiliar oder ähnlich bereitzustellen. Eine Bezahlung der Lehrlinge über Essens- und Transportgeld hinaus ist nicht zulässig. In Kolumbien sind solche Lehrwerkstätten nicht üblich; der Projektträger muss hier insbesondere in der Anfangsphase massive Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit leisten.

Standort

Montebello bei Cali

Zielgruppe

Jugendliche der Gemeinde Montebello und Umgebung

Kooperationspartner im Projektland

  • Schulamt Cali
  • Rotary Club Cali Pance
  • Universidad del Valle
  • SENA, Kolumbianisches Ministerium für Arbeit, Bereich Berufsbildung

Kooperationspartner in Deutschland

 

 

Spendenbedarf

54.000 Euro. Bitte machen Sie mit! Danke:-)