Das Projekt ist erfolgreich abgeschlossen! Sehen Sie in Kürze hier eine Powerpointpräsentation über den mühsamen achtjährigen Weg von der ersten Kontaktaufnahme zur erfolgreichen Fertigstellung. Es hat sich gelohnt! Danke an alle Beteiligten!!!

Die Misak nennen ihr Volk und ihr Land gleichermaßen Misak. Von der kolumbianischen Regierung werden sie Guambianos genannt und ihr Reservat Guambia. Insgesamt leben etwa 24.000 Indios im Reservat.

Das Reservat liegt in den westlichen Hängen der Zentralkordilleren nahe der Stadt Silvia. Viele kleine Täler neben hohen Bergen kennzeichnen diese typische Anden-Landschaft. Zahlreiche Flüsse und Bäche kreuzen diese komplexe Topographie und münden schließlich in den Rio Cauca, der der Region Cauca ihren Namen verliehen hat. Die Landschaft ist Teil der religiösen und spirituellen Glaubensvorstellungen der Misak und deswegen eng mit ihrer Tradition und Identität verbunden.

Gewählte Volksvertretung. Das Volk der Misak pflegt eine Verwaltungsstruktur, die auf ihrer Kultur und ihren Bräuche aufgebaut ist: Jährlich in der ersten Januarwoche werden die „Taitas“ – Vertreter einer Ortschaft – gewählt. Aus den gewählten „Taitas“ wird ein weiterer Rat gewählt, der „Cabildo“. Der Cabildo Indigena del Resguardo de Guambia ist die politisch und rechtlich gewählte Vertretung des Volkes der Misak. Dieser Rat setzt sich zusammen aus Gobernador, Vize-Gobernador, Sekretär, Schatzmeister, Buchprüfer, Kapitänen und Beisitzern. Er trägt ehrenamtlich die Verantwortung für das Volk, besitzt höchste Autorität und vertritt das Volk der Misak intern und extern auf politischer und administrativer Ebene. Der „Cabildo verwaltet das Territorium und alle sozialen Einrichtungen wie Schulen, das eigene Krankenhaus, die Ambulanz, eine Radiostation und verschiedene Werkstätten. Der „Cabildo“ ist auch verantwortlich für jene Misak in Kolumbien, die außerhalb des Reservates leben. Für diese Indianer gibt es in Popayan, Cali und Bogotá jeweils kleine Büros als Anlaufstelle.

Lebensgrundlage. Die Misak leben von eigenen landwirtschaftlichen Produkten sowie vom Handel damit. (Mais, Weizen, Kartoffel, Zwiebel sowie kulinarischen und medizinischen Kräutern). Weitere traditionelle Einnahmequellen sind die Forellenzucht, die Viehhaltung, die Milch- und Käseproduktion sowie die Hühnerzucht. In den letzten Jahren haben die Misak mehr und mehr ihre Waren im Direktverkauf gehandelt und mit diesem Verzicht auf fremde Zwischenhändler deutlich höhere Gewinne erzielen können. Das traditionelle Transportmittel der Misak sind Mulis und Pferde, die immer mehr durch Fahrräder, Motorräder und Geländewagen ersetzt werden. Seit zwei Jahren haben die Misak eine Töpferei, die sie zu einer industriellen Produktionsstätte ausbauen möchten. Zudem produzieren sie in einem selbst eingerichteten Labor traditionelle Heilmittel, die sie verkaufen.

Tradition erhalten. Die Misak möchten einerseits ihre traditionelle Lebensweise schützen und fortführen und sich deshalb auch von äußeren Einflüssen mit negativer Wirkung abgrenzen. Andererseits möchten sie der modernen Welt gegenüber aufgeschlossen sein und deshalb Waren produzieren, mit denen es ihnen möglich ist, in Würde an der Weltgemeinschaft teilzuhaben. Eine besondere Rolle spielen dabei die selbst hergestellten pflanzlichen Heilmittel und die traditionelle Heilkunde. Die Misak tragen unverwechselbare indianische Kleidung und verfügen über eine niedergeschriebene Lebenskultur/Glaubensvorstellung, die unmittelbar mit ihrem Lebensraum verbunden ist: Die traditionelle, religiöse/spirituelle Lebensanschauung der Misak gliedert sich in neun sogenannte Wissenschaften, die auch heute noch die Grundlage ihres Zusammenlebens sind. Darin sind das politische Leben (1), das Leben in der Gemeinschaft (2), das Leben in Beziehungen (3), der Umgang mit ihren Ressourcen (4), die Erziehung (5), das Gesundheitswesen (6), den Umgang mit der Natur (7), der Umgang mit ihren Ahnen (8) und der Umgang mit der Welt außerhalb ihres Stammes (9) erklärt und geregelt. Die Bewahrung ihrer Identität, ihrer Rechte, Gebräuche und Traditionen ist ein zentrales Anliegen der Misak.

Partnerschaften. Dazu versuchen sie unter anderem mit nationalen und internationalen Partnern Projekte in den Bereichen Bildung, medizinische Versorgung, Kommunikation, Ausbildung, Erwachsenenbildung und Gewaltprävention zu realisieren. In den letzten 15 Jahren sind kolumbianische Kooperationen mit dem Ministerio de Industria y Comercio, Consejo Nacional de la Judicatura, Departamento del Cauca, Rathaus von Silvia, USAID, FUPAD, OIM und internationale Kooperationen wie mit der kanadischen, spanischen und italienischen Botschaft sowie mit ADAM entstanden.

„Natschak“ – eine Schule für die Kultur der Misak. Seit 2009 bemühen sich Vertreter der Misak um eine Zusammenarbeit mit der Schule fürs Leben. Verschiedene Male haben Vertreter des „Cabildo“ und zwei Gobernadores (etwa vergleichbar mit einem Minister) das erste große Bildungsprojekt der Escuala para la Vida, das Colegio & Talleres de las Aguas Montebello besucht, um das Bauen mit Guadua kennen zu lernen. Diese Bautechnik war früher die traditionell Übliche in Misak, ist aber in den Jahrzehnten der Kolonialisierung und dem unfreiwilligen Rückzug in Reservate mehr und mehr verloren gegangen. Der „Cabildo“ sucht Unterstützung bei der Errichtung und Einrichtung eines sogenannten „Natschak“ – einer Schule für die traditionelle Wissensvermittlung der Misak-Kultur. An diesem Ort soll die sehr differenzierte Lebensanschauung und das Wissen der Misak mit allen Ritualen und praktischen Erfordernissen weitergegeben werden. Im „Natschak“ lernen die Misak während aller Lebensphasen zu festen Zeiten in unterschiedlicher Tiefe und Ausprägung ihre 9 Wissenschaften – die Werte und Regeln ihres Volkes. Hier treffen sich Gemeindemitglieder, vor allem Kinder und Jugendliche, aber auch angehende Paare, Mütter oder angehende Führer – alle jene, die eine besondere Entwicklung oder ein besonderes Ereignis erwarten. Bei diesen Einzel- oder Gruppenkonsultationen vermittelt der Lehrer (Schamane) die Werte und Regeln des Lebensabschnittes und berät und behandelt konkrete Fragen und Probleme. So gehört zum „Natschak“ traditionell auch ein Geburtsraum. Die medizinischen Kenntnisse der Misak (Kräuter, Massagen, Lehmpackungen) sind über die Grenzen des Reservates hinaus weit bekannt und anerkannt. Die Kultur der Misak hat ihre Wurzeln im 9. Jahrhundert und konnte sich bis heute entwickeln. Fernsehen und Internet beschleunigen jedoch zunehmend den Zerfall dieser Kultur. Der „Natschak“ soll diesen äußeren Einflüssen entgegen steuern.

Don Heriberto
Don Heriberto

Vertrauen aufbauen. In verschiedenen Besuchen im Reservat haben die Misak den Vertretern der Schule fürs Leben umfassend in ihre Arbeitsweise und das Zusammenleben Einblick gewährt. Zwei interessierte Weltwärts-Freiwillige wurden dort für einige Tage eingesetzt. Alle Besucher wurden herzlich empfangen und mit Respekt und Offenheit behandelt. Die Misak sind institutionell organisiert und werden von unabhängigen Menschen professionell und überzeugend geleitet. Schule fürs Leben ist sehr angetan von der gut strukturierten Arbeit und den Ergebnissen der Misak. Bestehende Einrichtungen werden geschützt und gepflegt. Moderne Technik wird ebenso erschlossen und verwendet wie traditionelle Kleidung. In den Jahren 2009/10 hat der „Cabildo“ erstmals einen PLAN DE VIDA -PROCESOS ADMINISTRATIVOS Y CULTURALES veröffentlicht, indem Abläufe und Organigramme ihres Volkes überzeugend dargestellt sind. Der drohende Identitätsverlust ist sichtbar. Der Bau eines „Natschak“ kann und will den Anschluß der Misak an die moderne Welt nicht verhindern. Vielmehr sollen mit dem Bau des „Natschak“ parallel zur modernen Welt traditionelle Werte und Riten der Misak wieder initiiert, weiterentwickelt und gestärkt werden.

Traditionell bauen die Misak ihre Häuser aus Guadua, Lehmziegeln und Naturstein. Diese Baumaterialien sind in großer Fülle im Reservat vorhanden. Die einfachen Behausungen, in denen meist in einer Ecke ein offenes Feuer zu finden ist, werden mit Holztüren und Holzfensterläden geschlossen. Die traditionelle Bauweise ist weitestgehend verlorengegangen. Man findet immer mehr Zementblocksteine, Asbestzementdachziegel und Aluminium-Fensterrahmen mit Glas. Die Familien leben auf parzelliertem Grundeigentum, das sich bei der Vergrößerung der Familie entsprechend in der Erbfolge verkleinert. Durch das Anwachsen der Population bei festen Territoriums-Grenzen verringert sich der Lebensraum pro Einwohner und so verlassen immer mehr Misak ihr Volk. Insbesondere Jugendliche identifizieren sich eher mit der modernen Welt außerhalb des Reservates.

Know-How-Transfer. Vor diesem Hintergrund hat der „Gabildo“ einen jungen Mann ausgewählt, Miguel Antonio Yalanda Tunubala *29. Oktober 1994 und in die Talleres de las Aguas zur Ausbildung geschickt. Miquel sollte im Dezember 2011 seine zweijährige Ausbildung zum Bambus-Zimmermann beenden und dann in seine Gemeinde zurückkehren. Dort sollte er das neu erlernte Wissen als Multiplikator weitergeben – zum Beispiel bei der Betreuung der geplanten „Natschak“-Baustelle, die im Frühling 2012 beginnen wird. Miquel hat leider vor kurzem die Ausbildung abgebrochen. Nun wird ein anderer Absolvent diese Aufgabe übernehmen.

Das Schulgebäude – Natur pur. Das Gebäude soll nach den Vorstellungen der Misak allseitig geschlossen, jedoch wind- und blickdurchlässig, ohne Bodenplatte, mit mittiger Feuerstelle und Rauchabzug vollständig aus Guadua, Naturstein und Lehm hergestellt werden. Der „Natschak“ ist als eigenständiges Erweiterungsgebäude in einer bestehenden Schule in zentraler Lage im Reservat geplant. Ergänzend ist eine Toilettenanlage, Strom, Wasser und ein Stück Straße erforderlich. Der „Natschak“ wird ein Rundbau mit einer Grundfläche von 210 m² und einer durchschnittlichen Höhe von 6,5 m sein.

Minga. Die Indianergemeinde leistet unentgeldliche handwerkliche Arbeit in Form der traditionellen Minga. Diese gemeinsame Arbeit am gemeinschaftlichen Projekt stärkt die Identifikation der Gemeinde mit Bauwerken und Projekten sowie die soziale Gemeinschaft. Bauerfahrene Misak-Indianer werden gemeinsam unter fachlicher Anleitung den „Natschak“ bauen und dabei das vergessene Handwerk wiedererlernen. So trägt der Absolvent der Talleres de las Aguas sein neues Wissen in die Gemeinschaft der Misak.

Nachhaltigkeit. Der „Natschak“ wird in den bestehenden Schulbetrieb eingebunden und von der Verwaltung des Reservates übernommen. Die Lehre im „Natschak“ wird einer/m SchamanIn unterstellt; das Geburtshaus der Krankenhausleitung.

Miquel, Rubén und Hernando
Hernano, Rubén, Miquél – drei Lehrlinge der Talleres de las Aguas

Standort

Im Reservat Misak in der Nähe der Stadt Silvia.

Zielgruppe

Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene des Indio-Volkes Misak.

Kooperationspartner im Projektland

Volksvertreter des Indiovolkes Misak.

Spendenbedarf

Spendenbedarf für das Gesamtprojekt 70.000 Euro. Machen Sie mit!