Biblioteca Comunitaria Rumenigue Perea Padilla. Mitten im Ort Montebello bei Cali, Kolumbien liegt die Bibliothek Rumenigue, die tatsächlich nach dem deutschen Fußballer Rummenigge benannt wurde. Durch den Mangel an Räumlichkeiten konnte das umfangreiche Bibliotheksmaterial nicht in vollem Umfang genutzt werden. Lesetreffs fanden auf der Straße oder auf dem geschotterten Vorhof statt. Die Nachfrage nach einem Lesesaal war groß. Immerhin versorgt die Bibliothek acht Schulen und dreizehn soziale Einrichtungen wie Kinder- und Altenheime im Ort mit Büchern. Es ist die einzige Bibliothek in Montebello. Seit 7 Jahren hilft sie mit großem Wirkungsradius das Bildungsangebot für die gesamte Gemeinde zu erweitern. Darüber hinaus leistet sie wichtige Aufbau- und Stabilisierungsarbeit für die sozialen Kontakte und Netzwerke innerhalb der Flüchtlinge.

Auf dem bestehenden Bibliotheksgebäude, einem einfachen Betonbau, wurde ein etwa 120 qm großer Lesesaal mit dem heimischen Bambus Guadua errichtet werden. Der bestehende Teil des Gebäudes wurde trockengelegt und saniert. Unten werden jetzt trocken und gut sortiert die Bücher gelagert und ausgegeben. Und oben ist nun Platz für Schulklassen und Gruppen bis zu 100 Personen. Der geschotterte Hof wird nach und nach bepflanzt und gepflastert kann so ebenfalls als schattiger Lesegarten zur Verfügung stehen. Eine außenliegende Treppe führt vom Lesegarten hoch zum neuen Lesesaal. Ziel der Baumaßnahme war es, allen Schulen in Montebello und den unterschiedlichen sozialen Einrichtungen nicht nur die Bücher, sondern auch einen Lese- und Betreuungsort regelmäßig zur Verfügung zu stellen. Der Ausbau einer Bibliothek zugunsten aller im Ort ist sinnvoller als eine solche in jeder Schule oder Einrichtung aufzubauen. Die Betreiber der Bibliothek hatten klare Vorstellungen von der zukünftigen Nutzung: Einmal im Monat soll eine größere, integrierende Lese-Veranstaltung stattfinden. Mindestens zwei Literaturgruppen wollen sich wöchentlich treffen und an Literaturprojekten arbeiten. Schulgruppen sollen am Vormittag im Rahmen des Lese-Unterrichts betreut werden und den Umgang mit Büchern und Lernspielen erlernen. Eine „Lesewerkstatt“ will Lesungen für lokale und nationale Autoren abhalten. Es sind Thementage und Literaturworkshops geplant, an denen Diskussionen geleitet werden sollen. Lesetreffs und Lesezirkel für alle acht Schulen und dreizehn sozialen Einrichtungen sollen eingerichtet werden. Die neuen Räume werden auch für Gemeindearbeit und für die Erwachsenenfortbildung zur Verfügung gestellt.

PS: Der neue Lesesaal wurde von den Lehrlingen der Lehrwerkstatt Talleres de las Aguas „Bauen mit Guadua“ im Rahmen ihrer Ausbildung gebaut. So wird einerseits der Gemeinde transparent, welche Ergebnisse mit der Ausbildung in diesen Lehrwerkstätten möglich sind und andererseits erwirtschaften die Lehrwerkstätten Einkommen zur Finanzierung ihres Lehrbetriebes. Für die Hilfs- und Pflanzarbeiten auf der Baustelle wurden ehrenamtliche Freiwillige und Gemeindemitglieder angeworben und zum Teil auch bezahlt, sodaß die finanziellen Mittel für dieses Projekt in vollem Umfang der Gemeinde Montebello zukommen und die Akzeptanz und Identifikation der Gemeinde mit dem neuen Bauwerk hoch ist.

Das Bibliotheksgelände ist 320 qm groß und im Eigentum der Bibliothek. Es wird als Eigenleistung in das Projekt eingebracht. Nach Fertigstellung der Maßnahme wurde das Gebäude der Fundación Comunitaria Montebello übergeben. Diese Fundación ist Trägerin der Bibliothek. Sie arbeitet mit anderen privaten und den öffentlichen Bibliotheken zusammen in einem Bibliotheken-Netzwerk Cali. Comunitaria Montebello erhält finanzielle Unterstützung vom Kulturamt Cali und von 17 ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern.

Ausblick vom neuenLesesaal

Lesesaal

Standort

Montebello ist Verwaltungsgebiet der 3-Millionen-Großstadt Cali und liegt in einem etwa auf 1.400 m über NN gelegenen Tal. Die Ortschaft Montebello ist sogenannte „tierra invasión“. Das bedeutet, dass sich hier Menschen auf Grundstücken ansiedeln, ohne selbst Eigentümer zu sein. Diese Form der Besiedlung wird mehr oder weniger von den Eigentümern geduldet. Der Prozess dieser Zuwanderung und Siedlungsentwicklung hat vor über vierzig Jahren zusammen mit den bürgerkriegsartigen Unruhen im Land begonnen und ein Ende ist nicht absehbar. Der Prozess der Legalisierung des Landbesetzens ist im Laufen. Mittlerweile leben über 11.400 Menschen offiziell in dem Ort. Nach Angaben des Projektträgers beträgt die Einwohnerzahl etwa insgesamt 30.000 Menschen. Da die Zu- und Abwanderung ständig erfolgt und nicht offiziell registriert wird, ist die tatsächliche Anwohnerzahl schwer ermittelbar. Montebello ist ein geeignetes Auffangbecken für Flüchtlinge, weil es dort friedlich ist und die Landschaft gute Siedlungsvoraussetzungen bietet. Die Region ist klimatisch ausgeglichen und sehr fruchtbar. Das Stadtzentrum von Cali ist etwa 20 Autominuten entfernt. Die Behausungen sind einfach und meist mit Elektrizität versorgt. Zurzeit gibt es dreimal wöchentlich für zwei Stunden fließendes Wasser über ein gemeindeeigenes Rohrsystem, welches von den meisten Haushalten in Tanks gesammelt wird. Seit kurzem gibt es für etwa 60% der Einwohner ein Abwassersystem. Leider wird das Abwasser ungereinigt an verschiedenen Stellen in den Rio Chocho eingelassen – auch in der Nähe der Ortschaften. Vor etwa vier Jahren wurde eine Gesundheitsstation eingerichtet. Ein kleines Polizeirevier befindet sich an der Hauptstraße. Junge Mütter zwischen 12 und 16 Jahren gehören zum Straßenbild. Es gibt für sie fast keine Möglichkeiten Geld zu verdienen, oft bleibt nur die Prostitution. Meistens sind sie allein erziehend. Viele Väter übernehmen keine Verantwortung für Ihre Kinder und Frauen. Die Last der Ernährung und Erziehung liegt meist bei den Müttern allein. Für die jungen Mütter gibt es gar keine Schuleinrichtungen. Der Projektpartner der Schule fürs Leben, die Fundación Escuela para la Vida, hat in den Räumen des Colegio de las Aguas einen Treff für junge Mütter provisorisch eingerichtet. Hier wollen Pädagogen und Soziologen die jungen Mütter zukünftig zu den Themen Alphabetisierung, Bewusstheitsbildung, Hygiene und Kindesbetreuung sensibilisieren und schulen. Die Kinder der mittellosen Familien können nicht zur Schule gehen. Weder zur staatlichen Schule, weil es keine staatlichen Schulen für diese „inoffiziellen“ Kinder gibt, noch zu einer privaten Schule, weil sie das Schulgeld sowie die Schulkleidung und –mittel nicht bezahlen können. Diese Kinder trifft man täglich auf den Straßen. Einige helfen den Eltern beim Gelderwerb; sie machen Botengänge oder verkaufen am Straßenrand Brot, Früchte und anderes. Für die Kinder der mittellosen Familien wurde von der der Fundación Escuela para la Vida mit Hilfe der Schule fürs Leben und deutschen Fördermitteln und Spenden bereits 2004 die Schule Colegio de la Aguas gegründet. Die Akzeptanz der Schule durch die Gemeinde ist sehr hoch. Etwa 250 mittellose Kinder und Jugendliche besuchen 2011 diese Schule.

Zielgruppe

Die meisten Einwohner Montebellos sind mittellose Flüchtlingsfamilien. Einige leben von Tagelohnarbeiten: Oberhalb des Tales liegt eine Kohlemine. Dort werden die Loren von Hand geschoben und die Holzbalken für die Stollen auf Schultern getragen. Unten im Tal ist ein Steinbruch. Im Ort selbst haben einige Kioske zur täglichen Versorgung geöffnet, aber auch erste Läden für Kleider, Drogerieartikel, Schreibwaren, Haushaltswaren und sogar ein Internetshop haben sich im vergangen Jahr etablieren können. Einige Familien leben von Prostitution und Kleinkriminalität; insbesondere Jugendliche und Heranwachsende arbeiten auf diese Weise für ihre Familien. Schätzungsweise mehr als 70% der erwerbsfähigen Bewohner Montebellos haben keine regelmäßige Arbeit. Nach eigenen Angaben ernährt ein Verdiener etwa 5 Menschen, sodass etwa 20.000 Menschen mittelbar betroffen sind. Davon sind 4.000 Kinder zwischen 0-12 Jahren und 3.000 Jugendliche zwischen 12-18 Jahren. Das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt grob geschätzt weniger als 960 Euro. Der Zugang zu Einkommen und Weiterbildung ist für die “nichtoffiziellen“ Flüchtlinge fast unmöglich. Sie können aus eigener Kraft ihre Lebensumstände nicht verbessern. Die Fundación Carbajal hat 2008 eine Erhebung veröffentlicht, nach der über 1.400 Jugendliche in Montebello zwischen 15-25 Jahren ohne jegliche Tätigkeit leben. Weder Fortbildung noch Arbeitsangebote holen diese Jugendliche von der Straße.

Kooperationspartner im Projektland

Biblitoheken-Netzwerk Cali und Bibliothek Rumenigue

Kooperationspartner in Deutschland

Bibliothek der Stadt Kronberg im Taunus

Spendenbedarf

Das Spendenziel wurde erreicht. Vielen Dank!