Der Internationale Austausch mit einem Freiwilligenprogramm wie weltwärts hat nicht nur seine positiven Seiten. Es gibt auch kritische Betrachtungsweisen, die nach 5 Generationen Weltwärts-Erfahrung bei der Schule fürs Leben durchaus berechtigt scheinen: Immer wieder tauchen Blogs im Internet und Artikel in Zeitungen auf, in denen junge weltwärts-Freiwillige von ihrem einjährigen Abenteuerurlaub berichten – bequem finanziert mit deutschen Steuergeldern. Hier sind die Entsende- und Empfänger-Organisationen gefragt mit Hilfe einer strengen Bewerber-Auswahl und einer kontrollierenden Betreuung vor Ort auf Einhaltung der Arbeitspflichten zu achten und notfalls auch Sanktionen wie eine Vertragskündigung zu vollstrecken. Ein zweiter kritischer Punkt ist, dass weltwärts ein einseitiges Programm ist: für die Empfängerländer wie Kolumbien gibt es keine vergleichbaren Möglichkeiten junge Leute nach Deutschland zu entsenden. Hier könnten die Freiwilligen selbst in Zusammenarbeit mit den Entsende-Organisationen Spendenmittel zusammentragen, um zumindest für Einige das Lernen und soziale Arbeiten in Deutschland möglich zu machen. So könnte interkulturelle Kompetenz für alle Beteiligten erreicht werden. Ein dritter kritischer Punkt verbirgt sich in der kolonialistischen und missionarischen Geschichte Europas: Sowohl den Entsendeorganisationen als auch den entsendeten Freiwilligen muss klar sein, dass sie nicht die Besseren, die Klügeren, die Richtigen …sind, sondern dass sie Gäste sind in einem Land, das vor allem eins ist: ANDERS! Dass es darum geht, hinzuschauen, zu sehen, zu verstehen, zu lernen, mit anzupacken – und zwar so, wie es vor Ort richtig und angemessen ist. Die Freiwilligen kommen nicht um zu lehren, sie kommen um zu lernen. Dazu gehört eine große Portion Dankbarkeit für das eigene Glück (Bildung, Freiheit, Sicherheit gehabt zu haben), Bescheidenheit und so etwas wie Demut. Es geht nicht um Schuld, sondern um ein kritisches mutiges Hinterfragen, wie die Unterschiede zum Beispiel zwischen Deutschland und Kolumbien überhaupt entstanden sind. Und darum einen gemeinsamen Weg zu finden – achtsam, mit Respekt, Wertschätzung und vor allem mit Verantwortung für das eigene Tun.

2 Kommentare

  • Clara Arnold sagt:

    Danke dafür!
    Auch ich werde zahlreich mit solchen Vorwürfen konfrontiert…

  • Und genau deswegen bin ich wirklich froh und dankbar hier bei dieser Organisation als Weltwärtsfreiwilliger tätig zu sein ! Viel mehr bin ich froh das ich unter all den Organisationen die deutsche Freiwillige entsenden, diese authentische, noch kleine, Organisation gefunden habe ( denn ich stehe wirklich voll und ganz hinter der Idee und dem Tun ! )