Mittwoch, der 29. Juli 2015 war ein sehr besonderer Tag für Schule fürs Leben und Escuela para la Vida in Cali! Nachts um 00.03 Uhr Frankfurter Zeit kam die Nachricht aus Kolumbien an, dass die erste Platte „guaduaVIGA“ gepresst wurde! 6 m lang, noch 185 Grad heiß, liegt sie da. Mit im Bild die Mitarbeiter aus Cali- erschöpft aber glücklich, dass das „Monster“ wie die gewaltige Presse liebevoll genannt wird, endlich funktioniert. Im Sommer 2009 hat alles begonnen – die Träume und Ideen der Kolumbianer zum zweiten großen Bildungsprojekt BAMBUSWALDhoch10 wurden erstmals in Worte gefasst und auf zwei A4-Seiten an das BMZ geschickt. Das Konzept gefiel und 2010 wird der Antrag eingereicht. Nach endlosen Überarbeitungen wurde Ende 2012 das Projekt endlich bewilligt. Ein „Social Business“, ein Entrepreneurship, eine gemeinschaftliche Unternehmung, deren Gewinne wieder in soziale Maßnahmen reinvestiert werden! Was in der Wirtschaft längst angesagt, trendy und bewährt ist, findet damit Eingang in die Entwicklungszusammenarbeit. Anfang 2013 startet dann die Umsetzung. Der Waldwirtschaftsstandort in Buga zeichnet sich schnell als extrem kompetent und hochmotiviert ab. Inzwischen sind mit erheblichem ehrenamtlichen Einsatz über 100 Hektar in die Aufforstung und Bewirtschaftung übernommen worden! Danke an Xavier und sein Team in Buga! Die Maschinen für die Lehrfabrik – besonders die „Monsterpresse“, das Herzstück der Produktionsstraße – sollten ursprünglich in China gekauft werden. In Absprache mit dem BMZ wurde entschieden, sie in Kolumbien herstellen und optimiert entwickeln zu lassen. So fließt das Geld für diese Presse nicht nach China ab, sondern bleibt in Kolumbien. Ein Firmenkonsortium wartet die Presse, denn sie soll rund um die Uhr tagtäglich pressen und Geld verdienen für die sozialen Projekte der Schule fürs Leben. Das Firmenkonsortium besteht aus 2 mittelständischen Betrieben, die zusammen mit der Uni Valle, Fachbereich Maschinenbau, die Presse entwickeln und bauen wollten. Große Mengen Geld, fast ¼ der Projektkosten, flossen Monat für Monat in diese Presse. Dann erkrankte einer der beiden Chefs schwer und der Familienbetrieb war ohne Führung. Die andere Firma stand ebenfalls kurz vor der Schließung. Menschliche Dramen mit erheblichen Auswirkungen auf das Projekt. Mit dem Einsatz aller Kräfte und Ressourcen von vielen Menschen konnte die Maschine weitergebaut werden… Wir geben ja nicht auf! Wir scheitern höchstens…. Dann im Sommer 2014 platzte eine neue Bombe im Projekt: fest eingeplante halböffentliche Fördermittel einer Ausschreibung in Kolumbien konnten nicht wie erwartet in unser Projekt fließen. Wir brauchten eine Weile, um zu akzeptieren, dass dieses Geld nicht zr Verfügung steht. Über 100.000 Euro, die fehlten! Der Schreck saß tief. Mit einem unglaublichen Kräfteaufwand in Cali und Frankfurt konnten wir viele einzelne Menschen gewinnen, die uns weiter ihr Vertrauen schenken – unsere 1000-Euro-Helden – und auch solche, die nur 10 Euro spenden konnten oder 500 leihen wollten… Mit einem gewaltigen Vertrauensvorschub einer großen Solidaritätsgemeinschaft haben wir es geschafft bis gestern durchzuhalten und in kleinen Schritten, improvisiert, ehrenamtlich, mit kleinen Mitteln SO WEIT zu kommen. Die Presse bestand in der Nacht auf Sonntag ihre technische Prüfung! Und Mittwoch früh um 00.03 Uhr erblickte die erste guaduaVIGA das Licht der Fabrikhalle! Das gesamte Team auf beiden Kontinenten ist so stolz und glücklich! Feiern Sie diesen Meilenstein des Projekts in Gedanken mit uns! Wenn jeder seinen Beitrag leistet, können wir alles bewegen. Es sind die Spenden von vielen vielen Menschen, die das ermöglicht haben. Das Geld, das von Herzen gegeben wird, mit einem Vertrauensvorschub und der Bereitschaft selbst zu verzichten. Und natürlich der persönliche Einsatz all jener, die unermüdlich mitarbeiten.
Ulla Schuch

Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern.
Aus Tansania.

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