Von Nadine Kribbe1

161122-peters-stefan_nahrungsumstellung_822px

Da gab es viele Hinweise in Deutschland: „Nimm dir Kohletabletten mit, das wird eine richtige Umstellung!“ „Am Anfang werdet ihr bestimmt Probleme bekommen mit dem Essen!“ „Da ist ja alles so fettig, da solltest du Elektrolyte dabei haben.“
All diese Ratschläge habe ich befolgt. Entsprechend steht jetzt im Haus meiner Gastfamilie eine kleine Medikamenten-Tasche, die ist voll mit einem Vorrat, der wahrscheinlich für eine halbe Fußballmannschaft reichen würde. Ich bin also auf jede Art von „Abenteuer“ vorbereitet nach Kolumbien gereist. Benutzen musste ich von meinem Notfallpack bisher noch nichts. Fünf Wochen kulinarischer Genuss ohne Reue… Bis gestern. Ja, ich muss an dieser Stelle enttäuschen; auch mein Körper ist nicht das resistente Wunder, für den ich ihn bislang hielt. Schon morgens stand ich mit einem mulmigen Gefühl auf. Ich dachte, das müsse der Schlafmangel sein. Doch bald darauf schon verlor ich mein Frühstück wieder – nur leider etwas vorzeitig. Trotz dieses an sich sehr klaren Zeichens meines Körpers, dass wohl etwas nicht in Ordnung war, setzte ich mich in Bewegung Richtung Fundación Escuela para la Vida. Ich war dort mit dem Architekturteam zur Besichtigung eines Baugrunds in Pichindé, in den Bergen westlich von Cali, verabredet. So saßen wir also bald im Jeep auf dem Weg über die vordere Gebirgskette der Anden und ich gebe zu, ich fühlte mich nicht ganz wohl. Leicht angespannt versuchte ich mich auf der hinteren Bank des Jeeps aufrecht zu halten und konzentrierte mich voll und ganz auf mein Körperwahrnehmen. Doch sehr schnell gab mir dieser Körper ein sehr eindeutiges Zeichen und ich lehnte mich schwungvoll hinten aus dem Jeep, um mich, salopp gesagt, in voller Fahrt auf den Asphalt zu entleeren. Von vorne hörte ich Andrés2, den meine spannende Pose zu irritieren schien, fragen: „Was sucht Nadine denn da hinten?“ Und eine Antwort: „Die sucht gar nichts, der geht’s schlecht.“ Nein – gesucht habe ich wahrlich nichts, eher hatte ich etwas zuviel – aber nach einer etwas abrupten Bremsung konnte ich dann endlich das Höllengefährt verlassen. Nach einer kurzen Pause entschlossen wir uns, die Reise fortzusetzen, was meinen Körper dazu animierte, das Spiel noch einige Male zu wiederholen. Als wir endlich am Ziel waren, schien sich mein Zustand zu bessern und ich konnte sogar einige Abmessungen mitmachen und mir das vielfältige Gelände komplett mit ansehen. Einige Stunden später, nachdem Grundrisse und Schnitte gezeichnet waren, kamen wir zum Ende. Und – hallelujah – habe ich mich auf mein Bett gefreut. Auf dem Weg zum Jeep hielt uns jedoch eine nette Dame auf – wir konnten doch noch nicht gehen. Im Gegenteil – wir wurden eingeladen – gemäß der sprichwörtlichen Gastfreundschaft der Kolumbianer – und dreimal darf geraten werden, wozu? Natürlich, zum Essen!
So verbrachte ich meine erste Magenverstimmung dann auch noch mit einer Einladung zum Essen, die ich nicht annehmen konnte. Was ich übrigens mit Worten gar nicht zu erklären brauchte; beim Anblick des Essens sprach mein Körper für sich …

P.S.: Ich esse inzwischen schon wieder so viel ich kann – war alles nicht so schlimm…

1 Nadine Kribbe ist seit September 2016 als weltwärts-Freiwillige der Schule fürs Leben in Kolumbien. Sie hat eine Ausbildung sowie Erfahrung im Messebau und gute Kenntnisse im Technischen Zeichnen und unterstützt das Architekturteam von Escuela para la Vida.
2 Andrés Bäppler, Begründer der Schule fürs Leben, Architekt und Projektleiter in Kolumbien

Artikelbild „Was sucht Nadine denn da…?“ von Stefan Peters

Gute Geschichten sind Gold wert. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Menschen dahinter. DANKE!