von Nele Schildt1

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„Es ist besser, ein Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen“ Konfuzius

Kolumbien, das kennt man ja.
Vielleicht wurde in den Nachrichten ein paar Mal darüber gesprochen.
Man hört von Armut, Bürgerkrieg, Drogenbossen,
Vertreibung, Elend, Todesangst,
auch wenn du dir darunter nicht viel vorstellen kannst,
auch wenn du vielleicht Klischees vor dein inneres Auge bannst,
bist du danach vielleicht fähig, dass du bewusster dankst.
Bei Kolumbien denkt der eine an Regenwald und Abenteuerland,
der nächste freut sich nur über das weiße Pulver in seiner Hand.
Es ist ein Land, das exotisch und nach weit weit weg klingt
Und von dem doch eigentlich nur Mediengefiltertes nach Deutschland dringt.
Ein Land mit Problemen die sind – so unfassbar!
Wie in jeder anderen Dritten Welt namens Peru, Indien und sowieso GANZ Afrika.
Ein Land in dem Rebellen und Regierung so sehr um Macht konkurrieren,
da sollen deren Opfer – 6 Millionen heimatlose Menschen – offiziell nicht existieren!
Während Europa aus einem Luxusproblem die Flüchtlingskrise macht, sind in Kolumbien mehr Menschen als Dänemark Einwohner hat auf Wanderschaft.
Viele wurden von ihrem Land vertrieben,
da ist eben aus Angst nur die Flucht ins nächste Slum geblieben.
Nicht wenigen wurde die ganze Familie genommen,
sie selbst sind vielleicht gerade so der Guerilla entkommen.
Ob FARC, EPL und ELN; M-19, RPT und Quintín Lame2
Im Kreuzfeuer muss man sich doch vor jedem ducken –
Auch vor den Regierungstruppen.
Und wird dein zehnjähriger Sohn von dem einen zwangsrekrutiert,
wirst du vom anderen verfolgt, weil du mit dem Gegner kollaborierst.
„Wurde auch deine kleine Schwester von einer Landmine erwischt?
Schließ‘ dich uns an und wir kommen ins Geschäft!“
„Das Geschäft mit Kokain?“ „Ja das läuft super!
Und wenn nicht hier dann eben in Europa!“
Na klar sind das begründete Klischees, an die die meisten als Erstes denken,
doch sollte man jetzt auch der aktuellen Lage Aufmerksamkeit schenken.
Was sich seit drei Generationen jeder erträumt
Wird nun endlich aufgeräumt,
denn trotz beiderseits lang negiertem Waffenstillstand
gibt man sich vielleicht doch bald die Hand…
….und dann wieder…
schließt du die Augen, geblendet durch Verfolgungsangst, Verlust,
den Schmerz darüber und puren Frust, stehst am Ende deines Lebens‘ Trümmer,
denkst die Folgen des Bürgerkriegs spürst du für immer,
eigentlich geht’s ja auch gar nicht mehr schlimmer und dann….
Zögerlich öffnest du sie wieder…
Und siehst einen Hoffnungsschimmer.
Ganz in der Ferne erkennst du ein kleines schwaches Friedenslicht.
Der sanfte Kerzenschein wirft warme Schatten auf dein Gesicht.
Du gehst immer näher und während du es so erstaunt betrachtest
Siehst du, dass da noch viel mehr sind als du dachtest!
Ja eigentlich ist dort orange glühend ein ganzes flackerndes FriedensMEER!
Und mehr und mehr Tränen lachst du hoffnungsschwer
Weil du all diese Lichter gar nicht kennst
Und trotzdem jedes einzelne für deinen Frieden brennt.

1 Nele Schildt ist seit Ende September 2016 als weltwärts-Freiwillige der Schule fürs Leben in Kolumbien. Ihr Text „Ohne Worte“ ist als Slam Poetry entstanden. Slam Poetry bezeichnet eine literarische Form, in der Texte publikumsbezogen und live dargeboten werden. „Ohne Worte“ ist also vor allem für den mündlichen Vortrag gedacht. Eine Version kann man auf der Facebook-Seite von Schule fürs Leben sehen und hören. Das Video ist Teil der Aktion PAZ Challenge, die am Weltfriedenstag von unseren aktuellen weltwärts-Freiwilligen ins Leben gerufen wurde. Seien auch Sie Teil dieser Aktion und unterstützen Sie unser Projekt der Friedenshalle für Montebello! – HIER steht, wie einfach es geht.
2 Eine Auflistung verschiedener Guerillabewegungen in Kolumbien:
FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) = Bewaffnete revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens
EPL (Ejército Popular de Liberación) = Volksfront der Befreiung
ELN (Ejército de Liberación Nacional) = Nationale Befreiungsarmee
M 19 (Movimiento 19 de Abril) = Bewegung 19. April
Quintín Lame steht für Movimiento Armado Quintín Lame (Bewaffnete Bewegung Quintín Lame), die erste indigene Guerillabewegung in Lateinamerika, die von 1981 bis 1991 aktiv war und nach dem aus Cauca stammenden Indianerführer Manuel Quintín Lame Chantre (1880-1967) benannt war.

Artikelbild „Ohne Worte“ von Jamen Abu Kathir

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