von Anna Steyer1

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Wir stehen im Kreis – fremde Menschen, dicht umarmt. Ulla2, die Chefin von Schule fürs Leben, erklärt das „Blitzlicht“. Sie stellt eine Frage in den Raum und jeder von uns soll darauf mit nur einem Wort antworten. Gut überlegt will dieses eine Wort also sein. Da wir uns alle in Zurückhaltung üben, beginnt Ulla selbst und antwortet als erste auf die Frage „Wie fühle ich mich jetzt, nach dem Kennenlernen-Tag3?“ Ich bin die letzte in der Reihe, da ich rechts von Ulla stehe. Trotz kurzer Bedenkzeit weiß ich nicht, was ich antworten soll. Die allgemeine Stimmung scheint fröhlich, glücklich, nahezu ausgelassen zu sein. Doch ich bin eher bedrückt. Nachdenklich. Verunsichert, was ich jetzt sagen soll.
Das „Blitzlicht“ kommt mir immer näher…
Tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf, eine Achterbahnfahrt. Ich reflektiere den Tag bei Schule fürs Leben, wie sicherlich alle anderen Teilnehmer auch in diesem Moment. Natürlich bin ich beeindruckt von der Arbeit in Kolumbien, den Projekten, den Visionen. Aber ist das das Richtige für mich? Die zentrale Frage der vergangenen und der kommenden Stunden und Tage. Jetzt ist das „Blitzlicht“ bei mir angekommen, ich muss etwas sagen. Jetzt! „Nachdenklich“ sage ich und nehme meinen ganzen Mut und meine Ehrlichkeit zusammen. Geschafft. Unsere Antworten bleiben ohne Rückmeldung – wie ein kurzer Blitz, der ein wenig nachhallt, stehen sie für einen Moment kommentarlos im Raum. Dennoch herzlich verabschieden wir uns vom Schule fürs Leben Team.

Mein erstes „Blitzlicht“ sollte mir länger in Erinnerung bleiben als ich zu diesem Zeitpunkt ahne. Ich verbringe die nächsten Tage mit viel Nachdenken, Selbstreflexion, erneuten Achterbahnfahrten und Gedanken über meine ehrliche Antwort beim „Blitzlicht“. Vier Tage haben wir Bedenkzeit, bis wir unsere Antwort an Schule fürs Leben schicken sollen. Am letzten Abend der Deadline entscheide ich mich, nach vielen Gesprächen mit meinen Eltern, meinem Freund, Kollegen und Freunden, für Schule fürs Leben. Für Kolumbien. Für eine neue Herausforderung. Aber würde sich Schule fürs Leben auch für mich entscheiden, nach meiner nicht sehr positiven Aussage in der Abschlussrunde „Blitzlicht“? Wo die anderen doch so begeistert klangen und ich noch so viel nachdenken musste…

1 Anna Steyer wird ab September 2016 für ein Jahr als weltwärts-Freiwillige der Schule fürs Leben nach Kolumbien gehen.
2 Ulla Schuch ist Mitbegründerin und zweite Vorsitzende von Schule fürs Leben
3 Am Kennenlernen-Tag treffen die weltwärts-Bewerber zum ersten Mal mit dem Team von Schule fürs Leben zusammen. Im Anschluss entscheiden sich beide Seiten für oder gegen eine Zusammenarbeit.

Artikelbild „Mein erstes Blitzlicht“ von Stefan Peters

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