von Inca Heinlein1

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Welche seltsamen Früchte hängen an diesem Baum? Sind das Mangos? Wirklich? Ein echter Mangobaum? Da hängen tatsächlich Mangos statt Äpfel. Dass es so etwas wirklich gibt. Verrückt. In diesem Moment wird mir klar, ich bin nicht mehr in Deutschland, ich bin in einem Land, in dem Mangos auf den Bäumen in den Straßen wachsen und Baustellenfahrzeuge große Trucks der Marke Dodge sind. Genau in diesem Moment spüre ich den Kulturschocks, den mir so viele Menschen vorausgesagt hatten. Ich stehe hier in der Straße vor dem Bankautomaten, der aus Sicherheitsgründen in einem eigenen Raum untergebracht ist, den man von innen abschließen kann und betrachte diesen eigenartigen Mangobaum, der gegenüber vor einem Hotel wächst. Ich beobachte, wie ein paar Mitarbeiter des Hotels sich auf den Weg zum Mangobaum machen. Sie halten einen Mann auf, der gerade vorbei läuft. Er ist etwas ärmlich gekleidet. Ich kann nicht verstehen, was sie zum ihm sagen, doch kurze Zeit später klettert er ohne große Probleme auf den Baum und fängt an, jeden Ast einzeln zu schütteln. Orangene, saftige Mangos fallen auf den Boden, auf die Autos, auf die Köpfe der Hotelangstellten.
Meine Gastmutter fragt mich später, ob es in Deutschland auch Mangos gibt. Ich sage ihr, dass Mangos nur importiert werden, dass sie meisten grün sind und bei weitem nicht so gut schmecken wie die Mangos hier. Verwundert betrachtet sie mich, hält einen Moment inne – dann lacht sie kurz.

1 Inca Heinlein ist seit September 2016 als weltwärts-Freiwillige der Schule fürs Leben in Kolumbien.

Artikelbild „Mangos von den Bäumen schütteln“ von Marisol Lucht

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