Von Olivia Milani1

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Freitagmorgen, fünf nach sieben. Ein wenig gehetzt erreiche ich meine Schule, die Institución Educativa Felidia. Englisch in der dritten Klasse steht auf dem Plan – zusammen mit Katherine2, die Klassenlehrerin in der Dritten ist und der ich auch in der vierten und fünften Stufe in Englisch assistiere.
Zu Beginn meines Einsatzes war ich mir nicht ganz sicher, ob es wirklich nötig ist, dass ich in diesen Klassen mit dabei bin, aber inzwischen denke ich anders. Das liegt zu großen Teilen an Katherine. Ich verstehe mich wirklich gut mit ihr und wir planen Aktivitäten immer zusammen und führen sie auch gemeinsam durch.
So hatten wir in den letzten Stunden die Früchte auf Englisch gelernt und wollen heute mit dem Frühstück fortfahren.
Es war Hausaufgabe, auf Englisch aufzuschreiben, was die Kinder normalerweise morgens essen. Fast alle haben dies auch erledigt und rufen uns jetzt munter ihre Antworten zu, damit wir sie an die Tafel schreiben können.
„Reis mit Ei“, „Milchkaffee mit Brot“, „Schokolade mit Brot“, „Reis mit Bohnen“, „Kellogs“…
Ich mag diese Klasse sehr gerne, denn sie arbeiten gut mit, sind wirklich sehr süß und alle lieben ihre Katherine. Sie ist aber auch wirklich großartig und schafft es, den Unterricht mit einfachsten Mitteln stets interessant und abwechslungsreich zu gestalten. Regelmäßig malen die Kinder ihr als kleines Dankeschön bunte Bilder und Sprüche: „Gracias profe, por tu amor a nosotros“ – „Danke Profesora, für deine Liebe zu uns“. Auch heute nach der Stunde schreiben sie ihr wieder eine Nachricht, schön verziert und mit bunten Stiften ausgemalt. „Danke, für alles, fürs Schlechte und fürs Gute. Für deinen Unterricht, in dem wir so viele neue Sachen lernen und verstehen. Wir lieben dich Katherine!“
Aber was ist das? Als ich kurz darauf noch einmal hinschaue, steht da plötzlich auch eine Nachricht an mich! Ich traue meinen Augen nicht. Das hatten sie bis dahin noch nie getan. Sonst hatten die Botschaften immer nur Katherine gegolten, aber diesmal hatten sie auch mich mit einbezogen:
„Und Danke auch an dich, Profesora Olivia, für deine Bemühungen und dass du Katherine unterstützt. Danke für alles. Wir lieben euch Olivia und Katherine!“
Dieser kleine Liebesbeweis hat mir gezeigt, dass ich nicht nur eine Hilfe für Katherine bin, sondern dass auch die Kinder dankbar sind, mich im Unterricht dabei zu haben. Und dass sie mich mögen. Was für ein schönes Gefühl, das auf diese Weise von ihnen gezeigt zu bekommen.

1 Olivia Milani ist seit September 2015 als weltwärts-Freiwillige der Schule fürs Leben in Kolumbien.
2 Katherine Ruiz Barona ist Englischlehrerin an der Institución Educativa Felidia, einer Landschule, eine Autostunde westlich von Cali

Artikelbild „Liebesbeweise“ von Olivia Milani

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