von Nadine Kribbe1

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„Hey Du, ja Du! Schreib‘ doch mal eine Geschichte über Dich!“ – „Wie, ich? Ich soll eine Geschichte über mich schreiben?“

Ja soll ich, eine Geschichte über mich, die ich teilen kann. So sitze ich im Vorbereitungsseminar der Schule fürs Leben und werde zum ersten Mal dazu aufgefordert, über mich zu schreiben. Dazu muss man sagen, bin ich nie eine große Schreiberin gewesen, weder Tagebuch noch in der Schule.
Wieso ich überhaupt hier sitze? Das ist eine ziemlich gute Frage, die ich mir seit meiner Bewerbung für den einjährigen Freiwilligendienst in Kolumbien oft gestellt habe. Ich komme aus einer recht sicheren Situation mit festem Arbeitsverhältnis, einer spannenden Beziehung, tollen Freunden und einer beachtlichen Wohnung. Warum also all das loslassen und eine neue Richtung einschlagen? Weil ich mich von diesen Sicherheiten nicht abhängig machen möchte. Oft habe ich mich vom Strom der Parolen „Verändern kannst Du doch eh nichts“, „Was will ein Einzelner denn schon verbessern?“ oder „Bleib bei dem was du hast, das hast Du immerhin sicher“ mitreißen lassen. Aber wirklich wohl gefühlt habe ich mich damit nicht, eher habe ich weiter gesucht, nach einer positiven Basis, auf der ich mit meinen Werten weiter bauen kann. Eine Art gedankliches Holzhäuschen, welches mir Sicherheit gibt. Eine Sicherheit, die viele im Materiellen suchen und von der ich mich im Laufe des Bewerbungsprozesses bei Schule fürs Leben immer weiter entfernt habe. Zwar habe ich mich auch vorher schon in alternativen Kreisen bewegt, doch bin ich in Diskussionen auch dort immer wieder auf diese seltsame Art der Passivität gestoßen. Ständige Kritik, aber: Keine Bewegung, keine Idee für Veränderung. Ich fühle mich seit der Entscheidung, für ein Jahr nach Kolumbien zu gehen, deswegen sehr im Umbruch, da ich bereit bin, alles neu zu denken und viel Gepäck aus meinem bisher gepackten Lebensrucksack zurücklassen und wieder abzugeben. Denn jetzt spüre ich endlich das, was ich so vermisst und wonach ich mich gesehnt hatte: Die Bewegung. Auf einmal tut sich etwas; da sind viele Menschen, die auch daran glauben, dass kleine Schritte gemeinsam sehr groß sein können. Alle strahlen so viel Freude, Mut und Aktivität aus. Ein Gefühl der Stärke breitet sich in der Gruppe aus, denn hier sagt keiner: „Das bringt doch nichts gegen all die Fehler der Welt.“ Hier sagen wir: Es lohnt sich, was wir tun. Es ist kein Tropfen auf den heißen Stein, sondern ein wenig Dünger auf dem Weg zu einer Welt mit gerechten politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen.
Was also ist meine Geschichte? Sie besteht daraus, mich frei zu machen und zu fühlen, mich aus dem gefestigten Umfeld, aus dem mein Leben bisher bestand, heraus zu wagen. Mich zu trauen, anders zu denken und nicht die Hoffnung aufzugeben. Was zugegebenermaßen nicht immer leicht ist.
Letztendlich bin ich trotz aller Kritiker und Angstmacher froh, diesen Schritt gewagt zu haben, denn jetzt habe ich sie gefunden. Die Menschen, die auch kleine Schritte machen wollen um etwas zu verbessern und der Passivität der negativen Einstellungen mit ihrem Vertrauen entgegenstehen: Ja, wir können etwas bewegen! Schritt für Schritt!

1 Nadine Kribbe wird im September für ein Jahr als weltwärts-Freiwillige der Schule fürs Leben nach Kolumbien gehen. Ihre Geschichte „Erste Schritte“ entstand während des Vorbereitungsseminars in Frankfurt.

Artikelbild „Erste Schritte“ (Archiv der Schule fürs Leben)

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