von Kristina Stadtmüller1

160729 Peters Stefan_Tick tack_822px

Tick tack, tick tack. Die Zeit läuft.
Bald habe ich meine Bewerbung fertig und kann sie endlich losschicken.
Ich hatte ewig überlegt, ob ich mir wirklich ein ganzes Jahr in Kolumbien zutraue und schließlich eine Entscheidung getroffen. Ich werde das schaffen! Jetzt kommt das immer näher, obwohl noch nicht mal die Bewerbung raus ist. Alleine das Schreiben hat lange gedauert. Die Bewerbung sollte schließlich gut UND ohne Rechtschreibfehler sein. Außerdem musste ich noch die Empfehlungsschreiben organisieren und da gab es auch schon das nächste Problem: Wie scanne ich das Ganze so ein, dass man die Knicke der Seiten nicht sieht?
Als schlussendlich alles erledigt war und die Unterlagen rechtzeitig weggeschickt, fühlte ich mich sehr erleichtert. Diese Erleichterung wandelte sich allerdings recht schnell in eine riesengroße Ungeduld um… In den folgenden Tagen rannte ich immer wieder an den Computer, um zu schauen ob schon eine Antwort gekommen war.
Dann, endlich!!!! Eine Mail von Schule fürs Leben. Etwas zögerlich öffnete ich die Nachricht, konnte aber gleich darauf glücklich lächeln. Ich hatte eine Einladung zum ersten „Kennenlerntag“2 erhalten, der am 09. November stattfinden sollte. Auf dieses Datum fieberte ich nun hin und meine Aufregung wuchs von nun an stündlich. Doch der sehnsüchtig erwartete 09. November fing dann erst mal mit einer Enttäuschung an. Als ich morgens aufstand war meine Stimme so gut wie nicht vorhanden und ich konnte nur leise flüstern. „Na toll, das kommt da bestimmt super an“, dachte ich genervt. Dennoch fand ich schnell meinen Optimismus wieder und gut gelaunt machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof, stieg in den pünktlichen (!) Zug ein und kam sogar pünktlich in Frankfurt an. Auf einigen Umwegen gelangte ich dann gerade rechtzeitig zum Büro des Vereins. Dort wurde ich ganz herzlich begrüßt und fühlte mich auch ziemlich schnell sehr wohl. Joscha3 und Clara4 gaben meinen Mitbewerbern und mir viele wichtige Infos und mittags hatten wir ein Gespräch in kleineren Gruppen mit Ulla5. Ihre deutlichen Worte, die nichts beschönigten, nahmen vielen von uns erst einmal den Wind aus den Segeln. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich nach diesem Tag meinen Eltern erklärte, ich sei wahrscheinlich komplett ungeeignet für den Freiwilligendienst in Kolumbien. Nach einer Nacht darüber Schlafen hatte sich das ganze Durcheinander in meinem Kopf allerdings geordnet und ich spürte, dass ich wohl doch ganz gut zu Schule fürs Leben passte. Also setzte ich mich an den Computer und schrieb eine Mail, in der ich meine Einstellung zu den gemeinsamen Werten darlegte und meine Entscheidung, dass ich sehr gerne mit Schule fürs Leben weltwärts gehen würde.
Die Anspannung und Aufregung vor der Antwort wurde fast unerträglich. „Werde ich genommen? Ah, bitte mach, dass ich genommen werde! Wobei…das klappt bestimmt nicht, die anderen waren viel geeigneter als ich. Aber andererseits…“ So lief es es im Minutentakt in meinem Kopf ab. Zum Glück kam schon zwei Tage später die Antwort. Ängstlich öffnete ich die Mail. Wenige Sekunden später wusste auch meine Mama im Stockwerk unter mir, dass es geklappt hatte. Ich war wirklich glücklich und auch stolz, dass ich diese erste Hürde genommen hatte. In den nächsten Monaten rückte das alles ein wenig in den Hintergrund, denn ich war mit meinem Abi beschäftigt. Realer wurde es erst wieder beim Fundraising-Seminar, bei dem wir tolle Spendenaktionen austüftelten und uns gegenseitig zum Spendensammeln animierten. Dort lernte ich dann auch einen Großteil meiner zum Glück supernetten Mitfreiwilligen kennen.
Total motiviert begann ich nach diesem Wochenende aktiv Spenden zu sammeln. Ob bei den Pfadfindern, in der Familie und bei Freunden oder bei der Gemeinde. Am ersten Juli begann dann auch schon das 10tägige Vorbereitungsseminar in Frankfurt. Wir beschäftigten uns mit Themen wie Sicherheit, Kommunikation oder Entwicklungszusammenarbeit. Außerdem lernten wir uns und das Schule fürs Leben Team näher kennen. Hier trafen nämlich zum ersten Mal ALLE Freiwilligen dieses Jahrgangs aufeinander. Wir haben in diesen Tagen viel zusammen erlebt und sind zu einem echten Team geworden. Dazu beigetragen haben unter anderem das Vertrauenstraining, gemeinsame Straßenmusik nach Seminartag-Ende, viele emotionale Gespräche und ein fantastischer Massagekreis vor dem Einschlafen. Alle sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich werde sie in den zwei Monaten bis wir ausreisen sehr vermissen. Gleichzeitig freue ich mich schon jetzt darauf, meine Mit-Freiwilligen am Tag des Abflugs endlich wieder zu sehen! Und jetzt?
Tick tack, tick tack. Die Zeit läuft.
Bald sitze ich im Flieger nach Kolumbien.

1 Kristina Stadtmüller wird im September 2016 für ein Jahr als weltwärts-Freiwillige der Schule fürs Leben nach Kolumbien gehen. Ihre Geschichte entstand im 10-tägigen Vorbereitungsseminar in Frankfurt.
2 Die sogenannten „Kennenlerntage“ finden regelmäßig das ganze Jahr über statt. Sie dienen den Freiwilligen und dem Team von Schule fürs Leben zur ersten Entscheidungsfindung.
3 Joscha Geers, ehemaliger Mitarbeiter der Schule fürs Leben im Bereich weltwärts
4 Clara Seipel, Mitarbeiterin der Schule fürs Leben im Bereich Öffentlichkeitsarbeit.
5 Ulla Schuch, 2. Vorsitzende der Schule fürs Leben

Artikelbild „Die Zeit läuft“ von

Gute Geschichten sind Gold wert. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Menschen dahinter. DANKE!