von Jonas Hartwig1

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Schwüle Hitze, tobende Regenfälle. Freiwillige und Mitarbeiter der Schule, die gemeinsam das Naturschauspiel beobachten. Wir sind im Colegio de las Aguas2 in Montebello bei Cali. Die Schule liegt an einem steilen Berghang. Die Aussicht atemberaubend. Der Blick führt in die grünen Weiten jenseits des von hier aus grau erscheinenden Cali. Ein absoluter Ruhepol und völliger Kontrast zu der rasenden Millionenstadt.

Der Sicherheitsmann an der Pforte öffnet das Tor für zwei Jeeps, die uns sicher zum Hauptsitz der Fundación Escuela para la Vida in San Antonio, einem Stadtteil von Cali, geleiten sollen. Die Jeeps haben auf der Ladefläche zwei hölzerne Sitzbänke, wie wir sie in Deutschland eher von Festzelten kennen, und einen schmalen, dünnen Hocker. Die Fahrerkabine bietet den Luxus einer gepolsterten Sitzbank.

Ich setze mich auf die unbequeme Holzbank auf der Ladefläche eines der Jeeps. Der Wagen wird mit fünfzehn weiteren Personen aufgefüllt. Für alle, die jetzt glauben, es handle sich um einen Tippfehler oder ich würde Sie anlügen, um der Geschichte mehr Dramatik zu verleihen – ich muss Sie leider enttäuschen. Letztendlich sind wir mehr als dreißig Leute in zwei Jeeps – lassen Sie dies einen Moment auf sich wirken.
„Magical Realism“ ist ein Werbespruch, mit dem mein Reiseführer Kolumbien anpreist. Aber was bedeutet das? Magischer Realismus, Traum und Wirklichkeit fallen nahtlos zusammen. Vielleicht aber auch bloß ein offen stehender Mund und ungläubig staunende Augen, ob dieses alltäglichen Wunders, das meine Kollegin Gloria von der Fundación Fanalca3 mit den Worten kommentiert: „Solo Colombia“ – „Kolumbien eben…“

Das Abenteuer nimmt seinen Lauf. Die Erinnerungen daran sind faszinierend, die Erinnerungen prägen sich tief in das Gedächtnis: Die Klänge der Musik aus der strahlend blauen Musikbox, die Lebensfreude, trotz der chaotischen Straßen, das strahlende Lächeln der anderen Freiwilligen.
Das Abenteuer endet für mich mitnichten bei dem tarnfarbenen Jeep. Ich genieße den Moment und denke nicht an andere Aufgaben. Einfach den Wahnsinn erleben und zu schätzen wissen, dass diese Geschichte in Deutschland undenkbar wäre – Magisch eben.

1 Jonas Hartwig ist seit September 2016 als weltwärts-Freiwilliger der Schule fürs Leben in Kolumbien.
2 Die Grund- und weiterführend Schule Colegio de las Aguas in Montebello bei Cali war das erste große Projekt von Schule fürs Leben und unserer kolumbianischen Partnerorganisation Escuela para la Vida
3 Die Fundación Fanalca hat in Cali mehrere große Freizeitparks für Kinder und Jugendliche eingerichtet. Hier wird neben Sport-, Kunst- Musik- und Theaterprojekten auch Hausaufgabenbetreuung angeboten. Die Fundación Fanalca ist anerkannte Einsatzstelle für die weltwärts-Freiwilligen der Schule fürs Leben.

Artikelbild „Das echte Leben und der tarnfarbene Jeep“ von Inca Heinlein

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