von Stephanie Tradt1

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23 + 23 + 10 = 56
Das war alles was ich in diesem Jahr besaß. Ein bisschen mehr ist es in Kolumbien zwischenzeitlich zwar geworden, denn ich habe dort auch Dinge gekauft und musste so am Ende wieder einiges dort lassen. Vor allem waren das meine angesammelten Unterrichtsmaterialien und Sachen wie die Bettwäsche und die drei Handtücher, die ich das ganze Jahr über ständig in Benutzung hatte. Letztendlich bin ich dann aber wieder mit meinen ursprünglichen 56 Kilo zurück nach Deutschland gefahren…
Und was erwartete mich zu Hause? Ein Zimmer mit einigen schönen Dingen, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie besaß. Die allermeisten Kisten und Schubladen waren aber voll von unnützem Zeug – Klamotten die ich nie getragen habe, Kosmetik die ich nie mehr verwenden werde, Bücher die mich nicht interessieren, Schuhe die kaputt sind oder nie wirklich passten…
In diesem Moment wurde mir wirklich klar, was ich alles nicht brauche. Das erschreckte mich. Ich war eigentlich nie ein Mädchen, das sich viel aus Kleidung machte. Warum war dann aber mein Schrank so übervoll? Ich hatte einfach alles behalten. Dinge, die mir nicht mehr passten, nicht mehr gefielen. Könnte ja sein, dass ich es doch irgendwann noch einmal anziehen wollte…
Nach einer Wochen andauernden Aufräumaktion fühle ich mich jetzt sehr viel wohler. Und ich habe beschlossen: Ich will das einfach nicht mehr. Dinge aus Spaß kaufen, die ich nicht brauche. Geld verschwenden für Zeug, das mir eine Woche später doch nicht mehr gefällt. Jetzt wo ich erlebt habe, wie viele Menschen dieses Geld nicht haben. Jetzt, wo mir mehr als jemals zuvor bewusst ist, das alles was ich hier gedankenlos kaufe, irgendwo herkommt und höchstwahrscheinlich nicht fair oder umweltbewusst produziert wurde. Jetzt wo ich den Beweis habe, dass ich das allermeiste wirklich nicht brauche, um glücklich zu sein. Denn ich weiß wie glücklich ich in Kolumbien war. Mit zwei Koffern und einem Stück Handgepäck. Mit nichts als 56 Kilo.

1 Stephanie Tradt war von September 2015 bis September 2016 als weltwärts-Freiwillige der Schule fürs Leben in Kolumbien. Sie unterstützte dort die Mitarbeiter der gemeinnützigen Organisation Funprovidas. Inzwischen wohnt Stephanie wieder bei Ihrer Familie arbeitet in Papas Schreinerei, macht ein Praktikum und verdient sich so das Geld für das zum Sommersemester beginnende Studium und die im Februar anstehende einmonatige Reise nach Kolumbien.

Artikelbild: „56 Kilo“ von

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